Schrumpft das Gehirn durch KI?
Warum es Ihrer Kreativität schadet, Ihr Gedächtnis schwächt und Ihr Demenzrisiko erhöht, wenn Sie zu viel an die KI abgeben.
Zusammenfassung: Eine zu starke Abhängigkeit von KI kann Ihr Gedächtnis, Ihr kritisches Denken und Ihre Kreativität beeinträchtigen, da Ihr Gehirn dadurch weniger aktiv gefordert wird. Auch wenn dies kurzfristig effizient erscheinen mag, kann eine übermäßige Nutzung langfristig zu einem kognitiven Rückgang und zu Abhängigkeit führen. Der Schlüssel liegt darin, KI als Hilfsmittel zu nutzen, damit Sie geistig fit bleiben und gleichzeitig von ihren Möglichkeiten profitieren können.
Macht KI dich weniger intelligent?
Wir erleben gerade eine kognitive Revolution. KI-Tools wie ChatGPT haben sich langsam, aber sicher in fast jeden Bereich unseres Alltags eingeschlichen. Es gibt automatische KI-Suchmaschinenassistenten, „intelligente“ Bildbearbeitungs-Apps, automatische Vorschläge für das Verfassen von E-Mails und vieles mehr. Mit all diesen Tools, die uns zur Verfügung stehen, hat man durchaus das Gefühl, dass wir effizienter, produktiver und vielleicht sogar klüger werden.
Leider deuten die Erkenntnisse der Neurowissenschaften auf das Gegenteil hin. Indem wir uns auf all diese mittlerweile verfügbaren Hilfsmittel verlassen, werden wir kognitiv möglicherweise sogar schwächer. Wenn man geistige Aufgaben und Anstrengungen konsequent an die KI abgibt, verändert sich das Gehirn buchstäblich – und zwar nicht in der Weise, wie man es sich erhoffen würde.
Hier also die unbequeme Frage: Lagern Sie Ihre Intelligenz an Maschinen aus und gehen dabei das Risiko ein, sie selbst zu verlieren?
Wie wirkt sich KI auf Ihr Gehirn aus?
Kürzlich haben Forscher des MIT die Gehirnaktivität von Personen gemessen, während diese mit oder ohne Unterstützung durch KI Aufsätze verfassten. Die Ergebnisse waren ziemlich alarmierend:
→ Bei der Gruppe, die ihren Aufsatz mithilfe von KI verfasst hatte, war die Konnektivität im Gehirn um 48 % reduziert.
→ 83 % von ihnen konnten sich nicht an eine einzige Zeile aus den Aufsätzen erinnern, die sie erst wenige Augenblicke zuvor verfasst hatten, oder diese korrekt wiedergeben.
→ Diejenigen, die KI-Tools nutzten, gaben zudem an, dass sie sich mit dem, was sie geschrieben hatten, deutlich weniger verbunden fühlten. Sie hatten nicht das Gefühl, dass die Arbeit „ihre eigene“ sei.
Es überrascht nicht, dass die Gruppe mit der stärksten neuronalen Aktivität diejenigen waren, die ohne Hilfe (nur mit eigener Gehirnleistung) schrieben. Diese Gruppe wies im Vergleich zu den anderen auch die beste Erinnerungsleistung und das stärkste Gefühl der Eigenverantwortung auf. Selbst als diese Teilnehmer später auf ChatGPT umstiegen, zeigte ihr Gehirn immer noch eine stärkere Aktivität als bei denjenigen, die von Anfang an mit KI gearbeitet hatten.
Die Erkenntnis daraus ist: Auch wenn KI-Tools die Produktivität kurzfristig steigern mögen, geht dies auf Kosten der kognitiven Belastung. Ein schwächeres Gedächtnis, weniger kritisches Denken und eine geringere Eigenverantwortung für die eigenen Ideen sind allesamt Nebenwirkungen dieser Art der mentalen Entlastung.
Stellen Sie sich das einmal so vor: Wenn Ihr Gehirn ein Muskel wäre, wäre der regelmäßige Einsatz von KI so, als würden Sie immer den Aufzug statt der Treppe nehmen. Bequem? Auf jeden Fall. Aber baut das Kraft auf? Nicht wirklich.
Was kostet es, sich auf KI zu verlassen?
Genauso wie sich finanzielle Schulden im Laufe der Zeit langsam anhäufen können, bis man plötzlich in Schwierigkeiten steckt, kann sich auch kognitive Verschuldungunbemerkt einschleichen, ohne dass man es zunächst bemerkt.
In diesem Zusammenhang haben Forscher des MIT ein besorgniserregendes Muster festgestellt:
Phase 1: Die „Flitterwochen“ – KI macht alles schneller und einfacher. Man fühlt sich produktiver.
Phase 2: Die Abhängigkeit – Ihr Gehirn passt sich an, indem es sich weniger anstrengt. Warum sich abmühen, wenn die KI das übernehmen kann?
Phase 3: Das Defizit – Wenn du selbstständig denken musst, sind deine kognitiven Fähigkeiten verkümmert. Ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Alles fällt dir SCHWERER.
…und so geht es immer weiter.
Warum sollte man beim Einsatz von KI vorsichtig sein?
Es geht hier nicht nur darum, dass man ohne die Hilfe von ChatGPT keinen Aufsatz mehr schreiben kann. Die entscheidenden Fähigkeiten, die durch KI-Tools ersetzt werden (tiefgreifende Analyse, Synthese, kreative Problemlösung und Gedächtnisfestigung), sind genau diejenigen, die:
- Wir unterstützen Sie dabei, Innovationen in Ihrem Unternehmen voranzutreiben
- Ihnen dabei helfen, wirkungsvolle strategische Entscheidungen zu treffen
- Ermöglicht es Ihnen, sich auf unerwartete Herausforderungen und Situationen einzustellen
- Ihnen die mentale Widerstandsfähigkeit vermitteln, die Sie benötigen, um in unsicheren Zeiten zurechtzukommen (und andere anzuführen)
Wenn Sie diese Prozesse an KI auslagern, verändern Sie nicht nur Ihre Arbeitsweise. Sie verändern grundlegend Ihre Denkweise.
Wie setzt man KI richtig ein?
Die gute Nachricht ist: Wenn Sie sich ein wenig mit Neurowissenschaften auskennen, sind Sie in der Lage, KI sinnvoll einzusetzen. Der Schlüssel dazu ist strategisches kognitives Engagement. Sie müssen wissen, wann Sie sich auf KI stützen und wann Sie auf Ihre eigenen geistigen Fähigkeiten vertrauen sollten.
Das Gehirn an erster Stelle: Bevor Sie auf KI zurückgreifen, sollten Sie zunächst Ihre eigenen kognitiven Prozesse nutzen. Denken Sie nach, analysieren Sie, fassen Sie das Gesehene zusammen und greifen Sie dann ( falls erforderlich) auf KI zurück, um Ihr Denken zu ergänzen, anstatt es zu ersetzen.
Wie ich bereits erwähnt habe, wiesen Personen, die zunächst ohne KI arbeiteten und diese erst später in ihr Instrumentarium aufnahmen, stärkere neuronale Verbindungen und eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit auf als diejenigen, die von Anfang an auf KI-Unterstützung zurückgriffen.
Wie kann man KI nutzen, ohne seine Denkfähigkeit zu verlieren?
Man würde nicht alle körperlichen Bewegungen an eine Maschine delegieren, also sollte man auch nicht alle geistigen Anstrengungen an die KI delegieren. Nutzen Sie stattdessen diesen Aktionsplan:
1. Die 70-30-Regel
Reservieren Sie mindestens 70 % Ihrer kognitiven Arbeit für Ihr Gehirn und höchstens 30 % für KI-Unterstützung. So bleiben die neuronalen Bahnen erhalten, während Sie gleichzeitig von Effizienzgewinnen profitieren.
2. Üben Sie „kognitive Gymnastik“
- Erste Entwürfe ohne KI verfassen
- Lösen Sie Probleme zunächst manuell, bevor Sie KI-Tools einsetzen.
- Fassen Sie Artikel in Ihren eigenen Worten zusammen, bevor Sie die KI befragen.
- Treffen Sie Entscheidungen zunächst anhand Ihrer eigenen Überlegungen, bevor Sie auf KI zurückgreifen, um dies zu tun.
3. Nutzen Sie KI als Denkpartner, nicht als Ersatz
Anstatt die KI zu bitten, Ihre Präsentation zu verfassen, sollten Sie sie bitten, Ihre Ideen zu hinterfragen. So stellen Sie nicht nur sicher, dass Ihre Argumente stichhaltig sind und einer genauen Prüfung standhalten, sondern Sie bewahren auch Ihre geistige Schärfe. Anstatt die KI Ihr Problem lösen zu lassen, nutzen Sie sie, um verschiedene Perspektiven zu Ihrer eigenen Lösung zu erkunden.
4. Bewahre deine Erinnerungen
Menschen, die sich regelmäßig auf KI verlassen, tun sich schwer, sich an ihre eigene Arbeit zu erinnern. Das können Sie vermeiden, indem Sie:
- Überprüfen Sie von KI generierte Inhalte aktiv. Nehmen Sie sie nicht einfach für bare Münze.
- Formulieren Sie die wichtigsten Punkte in Ihren eigenen Worten um. Noch besser: Schreiben Sie sie von Hand auf.
- Vermitteln Sie Konzepte an andere, um Ihre Gedächtnisbahnen zu stärken und Ihr Verständnis zu vertiefen.
5. „KI-freie Zonen“ einrichten
Wenn sich die KI in jeden Aspekt Ihres Lebens eingeschlichen hat, bekämpfen Sie dies, indem Sie bestimmte Aufgaben oder Zeiträume festlegen, in denen Sie ohne KI-Unterstützung arbeiten. Das hilft Ihnen dabei, Ihre kognitiven Fähigkeiten aktiv und stark zu halten.
Hilft oder schadet KI Ihrem Denkvermögen?
KI ist ein unglaubliches Werkzeug , wenn man sie sinnvoll einsetzt. Genau wie in dem berühmten Spider-Man-Zitat „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ gilt das Gleiche auch für KI-Tools. Jede leistungsstarke Technologie kann Ihre Fähigkeiten entweder erweitern oder sie vollständig ersetzen. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Jedes Mal, wenn Sie das Denken an eine KI auslagern, gehen Sie bewusst einen Kompromiss ein. In manchen Fällen mag sich das lohnen, aber wenn Sie nicht bewusst darauf achten, Ihre eigene kognitive Fitness zu erhalten, steht der Nutzen in keinem Verhältnis zum Risiko.
Die Neurowissenschaft sagt es ganz klar: Kognitive Aktivität folgt dem Prinzip „Use it or lose it“ – wer sie nicht nutzt, verliert sie. Dein Gehirn hat sich zu einer der ausgefeiltesten Denkmaschinen im Universum entwickelt. Lass dich nicht von Bequemlichkeit dazu verleiten, es dauerhaft auf Autopilot zu schalten.
Die Zukunft gehört nicht denen, die KI am besten nutzen können, sondern denen, die mit KI am besten denken können. Bleibt am Ball.
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Über den Autor
Wall Street Bestsellerautor des „Journall-B estsellerautor. Neurowissenschaftler. Keynote Speaker.

Friederike Fabritius ist Neurowissenschaftlerin, Bestsellerautorin des „Wall Street Journal“ und Keynote-Sprecherin, die neueste Erkenntnisse der Hirnforschung in umsetzbare Führungsstrategien für Fortune-500-Unternehmen umsetzt. Autorin des „Wall Street Journal“-Bestsellers Flow@Worksowie des preisgekrönten Buches Neurohacks gilt Friederike als Vorreiterin im Bereich Neuroleadership und hilft Führungskräften dabei, klarer zu denken, schneller innovativ zu sein und in komplexen Situationen zu führen. Als „Top Voice“ auf LinkedIn, die häufig in den Medien zitiert wird, wurde Friederike unter anderem in der „Harvard Business Review“, dem „Wall Street Journal“, „Forbes“ und „Newsweek“ vorgestellt. Über ihre LinkedIn-Fangemeinde und den „The Brain-Friendly Newsletter“ hat Friederike eine Community von über 50.000 Fachleuten aufgebaut.
Friederike erhält durchweg Referentenbewertungen von 4,9 von 5 Punkten und Net Promoter Scores von über 90 %. Dank dieser hervorragenden Rückmeldungen ihres Publikums bitten ihre Kunden sie immer wieder, erneut bei ihnen aufzutreten.